Ich wurde eines Morgens früh um 5.05 Uhr wach. Der exakte Zeitpunkt meiner Geburt. Mit dem Gedanken, dass es nun an der Zeit ist, endlich diese Geschichte aufzuschreiben und sie mit Menschen auf diese Art zu teilen.
Es war eine der schmerzhaftesten und zugleich transformierendsten Erfahrungen meines Lebens. Eine Initiation, die ich mir nie gewünscht hätte, aber die mich hat heilen und reifen lassen.
Eine völlig unerwartete Situation ließ mein Gefühl von Sicherheit zusammenbrechen. Fassungslosigkeit und tiefe Hilflosigkeit. Und doch funktionierte ich danach weiter, als sei nichts geschehen. Außen stabil, innen wachgerüttelt. Ich begann zu spüren, dass das Leben nicht mehr das Gleiche war. Etwas hatte sich geöffnet.
Dann einige Monate später veränderte sich meine Wahrnehmung zunehmend. Gedankenstille. Eine Einheitserfahrung. Hellsinnige Wahrnehmungen. Einen stark spürbaren Energieanstieg, der meinen Körper durchströmte. Der Energiestrom blieb und mit ihm kamen Wonnegefühle, Frieden und Klarheit. Es fühlte sich an, als würde das „wahre Leben“ beginnen. Ich hatte den Eindruck, vorher blind und ahnungslos durch die Welt gegangen zu sein.
Doch gleichzeitig kam viel Ungesehenes hoch: Traumata, ungelebte Anteile, alte Ängste. Und mit ihnen das Gefühl, vieles in meinem Leben sei falsch gewesen. Ich hatte den Eindruck, es von Grund auf ändern zu müssen.
Dann kam ich auf die Idee, ein Angebot anzunehmen, das man mir online gab: Eine magische Ausbildung, die auf westlichen Einweihungswegen beruhrte. Ich war fasziniert von dem, was ich wahrnahm. Neue energetische Ebenen öffneten sich, meine Sinne schärften sich, vieles fühlte sich intensiv und bedeutsam an. Und doch war etwas in mir unruhig, nicht alles tat mir gut.
Ich sollte beispielsweise aus der Ferne Wahrnehmungsübungen zu einer anderen Schülerin machen, die an einer Borderline-Störung litt. Mein Lehrer, den ich nie persönlich getroffen hatte, wollte ihr helfen. Und ich sollte ihm berichten, was ich bei ihr wahrnahm.
Ich spürte während der Ausbildung zunehmenden inneren Druck. Einerseits wollte ich weiterkommen und die Erfahrungen waren oft außergewöhnlich. Andererseits fühlte ich mich psychisch nicht stabil. Viel Verdrängtes kam an die Oberfläche. Ich fühlte mich nicht gehalten, weder von meinem Lehrer, noch von der Struktur der Ausbildung.
Gleichzeitig wuchs äußerer Druck: Mein damaliger Ehemann war kritisch gegenüber Bewusstseinserweiterung. Er verstand sie nicht und ihre Intensität beunruhigte ihn. Außerdem war er vollkommen grundlos „eifersüchtig“ auf meinen Lehrer, weil die Ausbildung zeitintensiv war.
Zwischen all dem, also Faszinataion, innerem Zweifel, äußeren Spannungen und der energetisch unguten Verbindung zu der Boderline-Schülerin kam der Einbruch: Die Zwangsgedanken begannen.
Später wurde klar, dass meine Intuition richtig lag:
Der Kontakt zu meinem Lehrer brach plötzlich ab, ohne jede Erklärung.
Wochen später meldete sich seine Lebensgefährtin bei mir. Sie erzählte mir, dass es zu einem Bruch mit der Borderline-Schülerin gekommen war. Diese hatte behauptet, eine Affäre mit ihm zu haben (und das passte zu einer vorherigen Wahrnehmung von mir, dass sie in ihn verliebt sei). Der Lehrer stürzte in ein tiefes Loch und beendete die meisten Kontakte, auch zu mir.
Mein inneres Unbehagen war also berechtigt. Und meine Psyche reagierte nicht nur auf äußere Umstände, sondern auch auf eine tiefere Disharmonie im Feld. Ich entwickelte eine psychische Erkrankung: Zwangsgedanken. Keine Handlungen, nur Gedanken.
Gedanken, die ich nicht wollte, die ich bekämpfte und dich dadurch nur stärker wurden.
Ein Albtraum.
Die Gedanken waren da vom Aufwachen bis zum Einschlafen.
Aufdringlich, schambehaftet, nicht kontrollierbar. Es fühlte sich an, als hätte sich mein eigener Geist gegen mich gewendet. Ich fühlte mich hilflos, verzweifelt und ausgeliefert. Der innere Lärm schien unerträglich. Ich dachte: Jetzt ist alles aus, jetzt ist mein Leben vorbei.
Ich erfuhr: Der Leidensdruck von Betroffenen ist hoch. Zwangsgedanken haben eine höhere Suizidrate als depressive Erkrankungen. Und sie gelten als schwer heilbar.
Ich hatte mit Mitte 20 eine Angststörung mit Panikattacken. Und sie überwunden, mich davon befreit. Doch das hier war anders: Tiefer, dunkler und hartnäckiger. Ich glaubte, nie wieder zurückfinden zu können, was ich vorher erlebt hatte:
Meditation und inneren Frieden. Urvertrauen und göttliche Verbindung.
Doch ich entwickelte eigene Wege, die die Symptome etwas zu beruhigten. Ich beschäftigte mich intensiv mit den Funktionsweisen der menschlichen Psyche, dem Bewusstsein, körperlich-energetischen Zusammenhängen und alternativen Heilmöglichkeiten.
Ich wandte mich an einen spirituellen Lehrer, einen Satsanggeber. Er sagte mir, er spüre meine hohe Energie, aber auch die extreme Verstärkung meiner ungeheilten Muster.
Er sah mein Potential. Und er sagte mir, dass wenn ich mich auf das in mir fokussiere, was frei ist, das, was jenseits aller Identifikationen liegt, werde ich mich selbst heilen. Ich glaubte ihm und es entstand eine besondere Verbindung mit ihm. Und es half tatsächlich, mich auf das zu fokussieren, was jenseits aller Identifikationen liegt.
Doch dann lies er mich fallen, weil eine Nähe entstand, die er nicht halten konnte. So kam ein erneuter Absturz. Aber kein endloser.
Ich traf eine Heilerin, die hellsichtig, klar und direkt war. Sie sagte mir „Du wirst dich heilen. Und du wirst andere begleiten. Du bist selbst eine Heilerin.“ Ich glaubte ihr nicht, dass ich eine Heilerin bin. Und sie antwortete darauf: „Du nimmst dich nicht ernst und meinen Ausdruck auch nicht.“
Sie hatte recht. Ich heilte.
Nicht über konventionelle Wege. Sondern durch tiefe innere Arbeit. Und durch Verbindung mit dem, was unzerstörbar ist. Ich erkannte, dass Heilung auch dort möglich ist, wo sie nicht erwartet wird.
Einige Jahre später erinnerte ich mich:
Damals, in meiner tiefsten Verzweiflung, hatte ich ein Versprechen gegeben.
An das Leben. An mich. An das, was größer ist als ich. An das Universum:
Wenn ich da durchkomme werde ich eines Tages anderen helfen.
Ich wusste damals nicht, dass ich mitten in meiner Initiation war.
Dieses Versprechen gab ich, bevor mir die hellsichtige Heilerin mitteilte, dass ich selbst eine Heilerin sei.
Jahre später sagte ein spiritueller Lehrer zu mir, ohne meine Vorgeschichte mit den Zwangsgedanken zu kennen: „Du trägst eine Stille in dir, die viele Menschen vergeblich suchen. Du weißt noch nicht wirklich, welcher Schatz das ist und hast ihn noch nicht geborgen.“
Ich habe beides erfahren: Lärm, der zerstört und Stille, die heilt.
Und diese Erfahrung lebt weiter. In meinem Sein. In meiner Arbeit.
Ich weiß, wie sich Kontrollverlust anfühlt und wie man sich darin befreit.
Wenn du glaubst, ein Teil von dir ist gebrochen, unheilbar oder seltsam, dann ist es vielleicht genau der Teil, durch den deine Wahrheit, deine Fähigkeiten und deine innere Freiheit sich nochmals vertieft und erweitert.
Vielleicht trägst du etwas in dir, was niemand ganz sehen durfte.
Vielleicht hast du dich dafür geschämt. Dich verurteilt, dass du nicht „weiter“ bist.
Vielleicht dachtest du, du müsstest funktionieren, um würdig zu sein.
Aber was du erlebt hast ist ein Teil deines echten Weges.
Ein Wissen, das nur du tragen kannst. Eine Erfahrung, durch die du gegangen bist. Nicht theoretisch, sondern verkörpert.
Du brauchst nicht mehr verstecken, was du erlebt, gedacht und gefühlt hast.
Du kannst deine Befreiungskräfte und deine Weisheit aus deinen Wunden schöpfen. Als heilige Integration.
Ich bin diesen Weg gegangen. Weil ich leben wollte.
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