Der Lärm und die Stille

Ich dachte, mein Leben sei vorbei, aber etwas Größeres hatte gerade begonnen.

Es war eine der heftigsten Erfahrungen meines Lebens. Eine Initiation, die ich mir nie gewünscht hätte, aber durch die meine Transformationskräfte erweckt wurden.

Was vorher geschah: Öffnungen des Bewustseins

Ich fühlte plötzlich eine tiefe Zuversicht in das Leben, die ich mir logisch nicht erklären konnte, denn von den äußeren Umständen gab es keinen Anlass dafür. Doch da war ein inneres Wissen: Es trögt mich.
Ich erlebte dann Flow-Erlebnisse und eine Fülle an teils verblüffenden Synchronizitäten.
Meine Wahrnehmung erweiterte sich zunehmend. Es kamen luzide Träume und hellsinnige Phänomene hinzu. Ich hatte einen deutlichen Energieanstieg in meinem Körper. Mit diversen Energiephänomenen, allein durch das Fließen der Energie von selbst. Auch mit Gefühlen von Wonne und Fülle. Und auch mit Ganzkörperorgasmen von selbst.

Es fühlte sich an, als würde das „wahre Leben“ beginnen. Ich hatte den Eindruck, vorher blind und ahnungslos durch die Welt gegangen zu sein. Und ich hatte das Gefühl, als ob ein fehlender Teil von mir zurückgekehrt sei.

Ausbildungen in westlichen Einweihungswegen

Im Internet stieß ich auf eine Ausbildung als Fernstudium, die auf westlichen Einweihungswegen beruhte. Angelegt auf insgesamt 10 Jahre. Von Alchemie über Hermetik, Kabbala, Yoga bis tibetische Magie und sehr viele weitere Inhalte.

Ich fing sie an, aber nach ein paar Monaten bekam ich ein anderes Angebot, das man mir online gab. Auch eine Ausbildung, doch intensiver, weil als Einzelunterricht. Ich war fasziniert davon und nahm das Angebot an, beendete das Fernstudium und wechselte zu der neuen Ausbildung. Doch nicht alles tat mir gut.

Ich sollte beispielsweise aus der Ferne Wahrnehmungsübungen zu einer anderen Schülerin machen, deren Psyche sehr instabil war (sie hatte Borderline). Ich sollte dem Lehrer berichten, was ich bei ihr wahrnahm. 

Beim Meditieren hatte ich eine Gedankenstille, ich konnte plötzlich nicht mehr denken. Unbeabsichtigt. Stunden später stieg meine Energie weiter an. Sie war dann nicht mehr „kontrollierbar“. Es kamen weitere Phänomene hinzu, Schlaflosigkeit und das Gefühl, unter Strom zu stehen. Mein Lehrer sagte mir, es sei Kundalini.

Ich war berührt, wie sich meine Hellsinne zeigten und tief berührt über eine Einheitserfahrung. Doch gleichzeitig kam viel Ungesehenes und Verdrängtes von mir hoch: Ungelebte Anteile, traumatische Erfahrungen, alte Ängste. Und das Gefühl, vieles in meinem Leben sei falsch gewesen. Ich hatte den Eindruck, es von Grund auf ändern zu müssen.

Ich spürte während der Ausbildung zunehmenden inneren Druck. Einerseits wollte ich weiterkommen. Andererseits fühlte ich mich psychisch nicht stabil. Ich fühlte mich nicht gehalten, weder von meinem Lehrer, noch von der Struktur der Ausbildung.

Gleichzeitig wuchs äußerer Druck: Mein damaliger Ehemann war kritisch gegenüber Bewusstseinserweiterung. Er verstand sie nicht und ihre Intensität beunruhigte ihn. Außerdem war er vollkommen grundlos eifersüchtig auf meinen Lehrer, weil die Ausbildung zeitintensiv war.

Der Beginn des Dramas: Zwangsgedanken

Zwischen Faszination, inneren Zweifeln, äußeren Spannungen und der energetisch unguten Verbindung zu der anderen Schülerin begann das Drama. Ich war mit dem „Gesamtpaket“ bestehend aus der Ausbildung und den Folgen meines Energieanstieges überfordert. Und es schleichte sich etwas ein, am Anfang langsam: Aufdringliche Gedanken, die ich nicht haben wollte. Ich machte die Ausbildung trotzdem weiter. 

Doch eine Weile später brach der Kontakt mit meinem Lehrer urplötzlich ab, ohne jede Erklärung. Ich erfuhr einige Zeit später von seiner Lebensgefährtin, dass es zu einem Bruch mit der anderen Schülerin gekommen war. Diese hatte behauptet, eine Affäre mit ihm zu haben (und das passte zu einer vorherigen Wahrnehmung von mir, dass sie in ihn verliebt sei). Der Lehrer stürzte deswegen in ein emotionales Loch und beendete die meisten Kontakte, auch zu mir. Er hatte bereits in der Vergangenheit vergeblich versucht, Menschen mit Borderline zu helfen.

Die aufdringlichen Gedanken wurden zu heftigen Zwangsgedanken. Keine Handlungen, „nur“ Gedanken. Gedanken, die ich nicht wollte, bekämpfte und die dadurch nur immer stärker wurden.
Sie waren dann vom Aufwachen bis zum Einschlafen da.
Aufdringlich, schambehaftet, nicht kontrollierbar. Es fühle sich an, als hätte mein Denken sich gegen mich gerichtet. Ich fühlte mich verzweifelt und ausgeliefert. Der innere Lärm schien unerträglich. Ich dachte: Jetzt ist alles aus, mein Leben ist vorbei.

Ich las, dass der Leidensdruck von Betroffenen sehr hoch ist und dass die Störung als sehr schwer zu beseitigen gilt. Ich hatte mit Mitte 20 eine Angststörung mit Panikattacken und mich davon befreit. Doch das hier war anders: Tiefer, dunkler und viel hartnäckiger.
Ich glaubte, nie wieder zu dem zurückfinden zu können, was ich vorher erlebt hatte:
Inneren Frieden, Meditation und Urvertrauen.

Doch ich entwickelte eigene Wege für mich, die es zunehmend beruhigten. Ich beschäftigte mich intensiv mit den Funktionsweisen der menschlichen Psyche, dem Bewusstsein und energetischen Zusammenhängen. Es verwandelte sich zunehmend.
Doch ich wusste nicht, dass ich schon mitten in meiner Initiation war.

Wesentliche Begegnungen mit Menschen

Ich wandte mich an einen spirituellen Lehrer, einem Satsanggeber. Er sagte mir, er spüre meine hohe Energie, aber auch die extreme Verstärkung meiner ungeheilten Anteile.

Er sah mein Potential. Und er sagte mir, dass wenn ich mich auf das in mir fokussiere, was frei ist, das, was jenseits aller Identifikationen liegt, werde mich mich selbst befreien. Ich glaubte ihm und es entstand eine besondere Verbindung mit ihm. Und es half mir tatsächlich, mich auf das zu fokussieren, was jenseits von Identifikation liegt.
Doch dann beendete er den Kontakt, weil eine Nähe entstand, die er nicht halten konnte. So kam ein erneuter Absturz, aber kein endloser.

Ich traf eine Heilerin, die hellsichtig, klar und direkt war. Sie sagte mir außerordentliche Dinge über Fähigkeiten von mir und auch über das, was ich damit in Zukunft machen würde. Ich konnte ihr kaum glauben, woraufhin sie mir mitteilte: „Du nimmst dich nicht ernst und meinen Ausdruck auch nicht.“

Meine Befreiung

Sie lag richtig. Ich befreite mich. Durch tiefe innere Arbeit. Durch Verbindung mit dem, was unzerstörbar ist. Mit dem Wesenskern. Ich erlebte, dass Befreiung auch dort möglich ist, wo sie nicht erwartet wird. Und sie lag auch mit anderen Aussagen richtig.

Jahre später sagte ein spiritueller Lehrer zu mir, ohne die Vorgeschichte mit den Zwangsgedanken zu kennen: „Du trägst eine Stille in dir, die viele Menschen mit spirituellen Praktiken vergeblich versuchen zu erreichen. Du weißt noch nicht wirklich, welcher Schatz das ist.“

Ich habe beides erfahren:
Lärm, der zerstörerisch ist und Stille, die befreit und Geborgenheit gibt.